Battlefield 5 im Test: Darum ist es das beste Battlefield seit Langem
Der Shooter „Battlefield“ ist zurück im Zweiten Weltkrieg und findet im Test zurück zu alter Stärke: Wieso „Battlefield V“ überzeugt und dennoch viele Fragen für die Zukunft aufwirft!

Pure Euphorie sieht anders aus! Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung von „Battlefield V“ hagelte es Kritik und Schelte der Community: Lootboxen, Cosmetics und Frauen an der Front sorgten bei einem nicht unerheblichen Teil der Fans für Unmut. Man musste fast schon befürchten, dass DICE und Electronic Arts ihr Produkt bereits vor Release um die Ohren fliegt. Die plötzliche Verschiebung des Programms auf den 15. November 2018 schien die logische Konsequenz.

Und dennoch präsentiert sich „Battlefield V“ von seiner besten Seite. Gerade Online geht der Shooter zurück zu den Wurzeln und überzeugt mit launigem Squad-Gameplay und knackigen Multiplayer-Gefechten. Einzig die Kriegsgeschichten bleiben eine Singleplayer-Baustelle!

Kriegsgeschichten ohne Esprit!

In „Battlefield 1“ machte DICE mit der Einführung der Kriegsgeschichten einen Schritt nach vorne. Die Solo-Kampagne war zwar nicht perfekt, punktete aber dennoch als guter sowie emotionaler Einstieg in das Weltkriegsabenteuer. DICE wollte eigentlich in „Battlefield V“ noch einen drauf setzen. Doch dieses Vorhaben scheitert: Die Kriegsgeschichten kommen leider zu fast keinem Zeitpunkt über solides Shooter-Mittelmaß hinaus. Die drei bislang veröffentlichten Episoden Unter keiner Flagge, Nordlys und Tirailleur werden durch den durchaus stimmungsvollen Prolog eingeleitet.

Allerdings bleibt von der vorhandenen Atmosphäre nur noch wenig übrig. Die starken Charaktere, Motive und Geschichten werden in diesem Fall erstickt durch das Shooter-Gameplay. „Battlefield V“ gelingt es in diesem Fall nicht, das Tempo zu drosseln, um ruhige Momente zu kreieren. Stattdessen bleibt Gewalt die einzige Lösung. Und auch die Prämisse, dass es sich bei den Hauptfiguren um normale Menschen handelt, bröselt sobald wir uns mit der jungen Solveigh geradezu mühelos durch Lager der Wehrmacht meucheln.

Kurzum: Die Kriegsgeschichten sind technisch gute und solide spielbare Shooter-Kost, aber sicherlich kein Kaufgrund für „Battlefield V“. Stattdessen verkommt die Singleplayer-Kampagne einmal mehr zu einem Tutorial für den Multiplayer.

Großer Umfang, aber …

Erst im Online-Modus für bis zu 64 Spieler entfaltet „Battlefield V“ sein volles Potenzial. Zum Start des Spiels steht lediglich das Arsenal der Deutschen und der Briten zur Auswahl. Andere Parteien könnten in den kommenden Monaten in Folge des „Tides of War“ getauften DLC-Programms nachrücken. Für den Anfang jedenfalls sind lediglich zwei Fraktionen vergleichsweise wenig, was nicht unbedingt bei der Ausrüstung, sondern bei der Sprachausgabe und den Fahrzeugen auffällt.

Ganz ähnlich ergeht es euch derzeit noch bei der Auswahl der Maps. Grundsätzlich überzeugen die Karten und besitzen ausreichend viel Optionen, damit sowohl Teamplayer als auch Solisten und Piloten ihren Spaß haben. Gerade Fahrzeuge wie der Tiger-1-Panzer freuen sich über die weitläufigeren Gebiete – etwa in Frankreich oder in der libyschen Wüste. Sie erlauben wirklich freie Kämpfe mit den schweren Geschützen, was wiederum der Atmosphäre sehr gut tut.

Zugleich schwächt DICE aber auch einige Vehikel ab. Besonders durchschlagsstarke Tanks wie der Tiger kranken nun in Sachen Wendigkeit und können ihre Kanzel längst nicht mehr so schnell drehen wie zuvor. Das erlaubt es geübten Soldaten, die Kolosse auszutricksen und die ebenfalls vorhandenen Schwachstellen – allen voran das Kettenfahrwerk – auszuschalten.

Sinnvolle Veränderungen

Die größte Stärke von „Battlefield V“ bleibt aber das Squad-Gameplay. DICE belohnt so ziemlich jede Aktion, die ihr für das Wohl der eigenen Kompanie begeht. Ganz egal, ob ihr Abschüsse erzielt, Sandsäcke auftürmt oder vielleicht euren Kameraden auch nur Feuerschutz gebt – All das bringt euch Punkte auf das Konto. Diese Punkte wiederum erlauben schließlich das Aktivieren besonders vernichtender Aktionen wie etwa den V1-Luftschlag, der halbe Landstriche in Schutt und Asche legt.

Teamplay ist in „Battlefield V“ Trumpf und funktioniert selbst für einsame Wölfe ganz ausgezeichnet. Letztlich könnt ihr beispielsweise euren Squad-Leader als Respawn-Punkt missbrauchen, aber nicht ohne zuvor das Terrain mit Hilfe der neuen Third-Person-Ansicht zu prüfen. Gerade in den längeren Spielarten wie den „großen Operationen“ oder „Vorherrschaft“ gehören kleinere Interaktionen wie beim Reichen von Munition durch den Support oder das Verarzten durch den Medic zum guten Ton. Selbst als Einzelspieler bekommt man so den Eindruck, Teil eines großen Ganzen zu sein und genau deshalb macht „Battlefield V“ mehr Spaß als seine Vorgänger.

Wenn es um die puren Spielmodi geht, so dürften die „Operations“, „Vorherrschaft“ und auch die Last-Man-Standing-Variante „Letztes Gefecht“ auf lange Sicht die meiste Motivation bieten. Gerade die langen Gefechte der „großen Operationen“ besitzen aufgrund der Konsequenzen, die sich aus den verschiedenen Tagen der Schlachten ergeben, einen ganz besonderen Reiz. Eine Niederlage schmerzt nämlich hier gleich doppelt, da sie für weniger Nachschub, Munition und Fahrzeuge in der nächsten Runde sorgt.

So spektakulär die Gefecht in „Battlefield V“ auch sein mögen, so gibt es dennoch ein paar Problemchen. Im Test tauchten immer wieder ärgerliche Clipping-Fehler und andere Grafik-Patzer auf. Da bleiben gerne mal Waffen in der Luft stehen oder Soldaten fliegen nach Explosionen geradezu grotesk weit durch die Luft. Hinzu kommen gelegentliche Pop-Ups. Das schmälert den Gesamteindruck nur leicht und hat nur selten wirklichen Einfluss auf das Geschehen.

Fazit

Mit „Battlefield V“ findet DICE einen Teil seines Patentrezepts wieder, das die Shooter-Serie vor 16 Jahren so beliebt machte. Die Mischung aus gewaltigen Schlachtfeldern mit 64 Spielern, kombiniert mit motivierendem Teamplay und rassiger Fahrzeug-Action machts! „Battlefield V“ fühlt sich für alle Spielertypen angenehm motivierend an. Schließlich gibt es immer einen Weg, um irgendwie Punkte abzustauben und so sein Profil zu verbessern und neue Ausrüstungsgegenstände freizuschalten.

Die totale Euphorie bricht aber nur phasenweise aus: Denn hinter dem „Tides of War“-DLC-Programm stehen noch zu viele Fragezeichen. Nur wenn DICE hier wirklich für ausreichend Nachschub in Form von Karten, Fraktionen und Spielarten wir dem bereits angekündigte Battle-Royale-Modus „Firestorm“ liefert, wird „Battlefield V“ auch langfristig zum Erfolg.