Darksiders 3 im Test: Überraschend starkes Comeback der Reiter der Apokalypse!
Mit Wut gegen die sieben Todsünden: „Darksiders 3“ zeigt seine Qualitäten vor allem in den rassigen Bosskämpfen, aber auch einige Schwächen im Spieldesign. Wie gut ist das Action-Abenteuer wirklich? Der Test verräts euch!

Lange war „Darksiders“ von der Bildfläche verschwunden. Der zweite Teil überzeugte 2012 noch Fans und Fachpresse, doch nach der Insolvenz von Publisher THQ geriet die Lizenz in Vergessenheit. Erst sechs Jahre später verschaffen THQ Nordic und Gunfire Games den Reitern der Apokalypse zu einem Comeback.

In „Darksiders 3“ spielt ihr Fury, die dritte Reiterin. Die Erde liegt nach dem Weltuntergang weiterhin in Trümmern, Tod – genau, der aus dem ersten „Darksiders“ – wird noch immer für diese Misere beschuldigt. Die wütende Fury will ihn retten und legt sich zu diesem Zweck mit den sieben Todsünden an.

Diese sieben Fabelgestalten bilden den roten Faden durch ein 15- bis 20-stündiges Abenteuer voller Kämpfe, Loot und Entdeckungen.

Klein, aber mein!

Im Vergleich zu seinen Vorgängern wirft euch „Darksiders 3“ in eine deutlich kleinere Spielwelt. Offene, weite Areale gibt es nur selten. Stattdessen dominieren mittelgroße durch Tunnel miteinander verbundene Gebiete. Diese Einschränkungen stören aber nicht, da Entwickler Gunfire Games jedem der insgesamt sechs Bereiche einen eigenen Stempel aufdrückt – von der ekeligen Sumpflandschaft bis hin zu urbanen Gebieten.

Auch bereist ihr „Darksiders 3“ – anders als es der zuletzt veröffentlichte Trailer vermuten ließ – nicht zu Pferd. Fury ist zu Fuß unterwegs und benutzt den Laden des zurückkehrenden Dämonenhändlers Vulgrim als Schnellreisepunkt. „Darksiders 3“ bietet somit zwar eine offene Spielwelt, geht das Konzept aber weitaus zurückhaltender an als etwa „Red Dead Redemption 2“ oder „Assassin’s Creed Odyssey“.

Auch technisch rangiert das Action-Abenteuer hinter der großen Konkurrenz. Überzeugt speziell das Monsterdesign, so wirken doch viele der Innenräume vergleichsweise statisch, trist und langweilig.

Mehr „Dark Souls“ als „Assassin’s Creed“

„Darksiders“ verabschiedet sich somit etwas von den ganz großen Open-World-Ambitionen und wendet sich stattdessen „Bloodborne“ und „Dark Souls“ als Inspiration zu. In seinem Kern ist „Darksiders 3“ ein Hack&Slay mit einem knackigen Schwierigkeitsgrad. Bereits auf der zweiten der insgesamt vier Stufen fordert das Spiel ordentlich. Praktischerweise könnt ihr den Schwierigkeitsgrad jederzeit wechseln und das Spiel so anpassen.

Andere Elemente stammen dagegen direkt aus dem „Dark Souls“. So levelt ihr beispielsweise Fury mit Hilfe eingesammelter Seelen ihre drei Charakterwerte Stärke, Gesundheit und Magie in Vulgrims Shop auf. Sterbt ihr aber auf dem Weg dorthin, verliert ihr alle Seelen und müsst sie erst zurückerobern. Auch die Animationen und die Zeitfenster beim Einnehmen von Heilkristallen erinnern stark an die „Souls“-Reihe.

Das Kampfsystem selbst dagegen schneidet sich eine Scheibe bei „Bloodborne“ ab. Fury kann nicht blocken und weicht stattdessen mit flinken Bewegungen aus. Gelingt euch eine Ausweichbeweguzng im perfekten Moment, öffnet das ein Zeitfenster für einen magischen Konter. Dieser Angriff richtet besonders viel Schaden an.

Das Kampfsystem und speziell die Bossduelle können sich absolut sehen lassen, besitzen aber auch einige Schwächen. In Innenräumen kommt es immer wieder zu Übersichtsproblemen, gerade wenn mehr als ein Gegner auftaucht. Dazu ist die Inventarsteuerung nicht perfekt. Ihr müsst euch nämlich mit dem Digitalkreuz durch alle Kristalle wühlen und habt keine Hotkeys oder andere Hilfsmittel. Das sorgt in den zuweilen sehr schnellen und hektischen Auseinandersetzungen immer wieder für Verwirrung.

Es gibt Loot!

Die Geschichte hinter „Darksiders 3“ mag keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, doch die Charaktere – allen voran Fury – besitzen einen hohen Wiedererkennungswert. Das Spiel setzt bei seinem Progressionssystem auf eine simple Formel: Erst mit der Zeit aktiviert ihr ausreichend Fertigkeiten, um zuvor versperrte Bereiche zu betreten.

Fury verfügt über vier zusätzliche Hauptwaffen, die wiederum mit Elementarfähigkeiten und Spezialaktionen ausgestattet sind. Die Feuerkeulen etwa schaltet einen höheren Sprung frei. Mit der Sturm-Lanze segelt ihr ein Stück durch die Luft. Im späteren Verlauf räumt ihr so auch Kristallbarrikaden oder Spinnweben aus dem Weg.

Auf diese Weise knüpft „Darksiders 3“ seinen Spielfortschritt recht geschickt an die Umgebungsrätsel. Das Suchen nach zusätzlicher Beute sorgt für einen angenehmen Tempowechsel zwischen den stark inszenierten Boss-Battles und den normalen Auseinandersetzungen. Gunfire Games legt beim Monsterdesign viel Kreativität an den Tag: Die Kreaturen besitzen verschiedene Taktiken und agieren ausgesprochen aggressiv.

Die Entwickler unterfüttern das Aufleveln durch Ausrüstungsgegenstände und andere Upgrades. Ein echtes Rollenspiel möchte „Darksiders 3“ trotzdem zu keinem Zeitpunkt sein. Sie sind letztlich nur Mittel zum Zweck und erleichtern das Weiterkommen. Trotzdem: In sich funktionieren die Zusammenhänge ordentlich, auch wenn vielleicht manchem Umfang und Komplexität fehlen werden.

Fazit

Natürlich kann „Darksiders 3“ nicht mit dem großen Produktionen konkurrieren. Aber trotzdem überzeugt das Action-Abenteuer über weite Strecken. Gunfire Games verbindet Charakterprogression clever mit der Level-Architektur und erzeugt – trotz der oftmals arg lieblosen Beute – ein Gefühl für schnellen Fortschritt.

Das Kampfsystem besitzt zwar aufgrund der störrischen Kamera und dem fordernden Schwierigkeitsgrad seine Tücken, ist aber gerade in den großen Auseinandersetzungen mit den sieben Todsünden ein Garant für Spannung und Adrenalin. Dank des soliden Arsenals, der Elementarfähigkeiten und Furys Spezialtalenten ist „Darksiders 3“ ein motivierendes Hack&Slay für Seelensammler und all jene, denen die „Dark Souls“-Reihe vielleicht doch einen Tick zu heftig war.