Resident Evil 2 im Test: Wie gut ist Capcoms Grusel-Remake gelungen?
Herausragender Fanservice oder doch nur ein Remake unter vielen: „Resident Evil 2“ eilen die Vorschusslorbeeren voraus. Aber wie viel Liebe zum Detail steckt wirklich in Capcoms Neuauflage des Grusel-Klassikers?
Resident Evil 2 im Test: Wie gut ist Capcoms Grusel-Remake gelungen?
Wir haben uns "Resident Evil 2" angeschaut.

„Resident Evil 2“ blickt auf eine bewegte Geschichte zurück – speziell in Deutschland. Denn als das Spiel 1998 für die Playstation auf den Markt kam, landete es innerhalb kürzester Zeit auf dem Index. Selbst eine später veröffentlichte, angepasste Version schaffte es nicht auf den Markt. Das Ergebnis: Eingefleischte „Resident Evil“-Fans mussten sich mit Imports und Playstation-Umbauten anfreunden.

Kein Wunder also, dass „Resident Evil 2“ für viele so etwas wie die verbotene Frucht und damit auch zu einem echten Kult-Abenteuer avancierte. Als Capcom schließlich das Remake ankündigte, war die Begeisterung groß. Doch die Kunst der Neuauflagen bringt viele Tücken mit sich. Schließlich ist in den vergangenen 21 Jahren einiges passiert. Ein müdes Grafik-Update genügt also nicht.

Zwei für eins!

Das Original kam seiner Zeit auf gleich zwei Datenträgern daher – jeweils einer für die beiden Hauptdarsteller Leon S. Kennedy und Claire Redfield. Derlei Extras braucht es natürlich heutzutage nicht mehr, aber in Sachen Umfang sind beide Spiele nahezu identisch. „Resident Evil 2“ schickt euch nach Raccoon City. Nach dem Ausbruch des T-Virus herrscht dort das nackte Chaos: Autos brennen, Untote fresse Zivilisten und ihr seid mittendrin. Ihr erlebt dieses Spektakel aus der Perspektive von Leon und Claire.

Obwohl die beiden andere Ziele verfolgen, durchforsten sie doch nahezu identische Areale innerhalb Raccoon Citys. Allerdings variieren die Lösungswege immer wieder. Beispielsweise gibt es bei den beiden vollkommen unterschiedliche Varianten, wie sie aus der riesigen Polizeistation der Stadt entkommen.

Im Vergleich zum Original nimmt Capcom nur sehr behutsam Veränderungen an der Geschichte vor. Was genau passiert, möchten wir an dieser Stelle nicht verraten. Aber die Story-Schreiber haben sich redlich Mühe gegeben, bestimmte Momente an den aktuellen Zeitgeist anzupassen. Sehr gut!

Wenn ich ein Zombie wär‘ …

Im Gegensatz zu vielen aktuellen Produktionen ist „Resident Evil 2“ ein geradliniges Abenteuer. Beim ersten Durchlauf benötigt ihr vermutlich zwischen 15 und 20 Stunden. In seinem Kern bleibt das Remake der Linie der frühen Teile treu: Der direkte Kampf mit Zombies, Lickern und anderen Kreaturen steht weniger im Vordergrund. Munitions- und Hilfsmittelknappheit sorgen dafür, dass manchmal Ausweichen die klügere Alternative ist.

Störten sich viele im Original noch an der festen Kameraperspektive, setzt die Neuauflage auf eine frei bewegliche Verfolger-Ansicht. Das sorgt für bessere Übersicht und weit weniger unliebsame Überraschungen. Zugleich ist die Steuerung direkter: Leon und Claire fühlen sich also längst nicht mehr an wie Panzer, sondern sind absolut kontrollierbar.

Und auch das Speichersystem ist zumindest auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad humaner: Farbbänder gibt es dann nicht mehr und auch die Anzahl der Speicher-Slots fällt sehr großzügig aus. Angesichts des durchaus knackigen Schwierigkeitsgrads ist das auch bitter notwendig. Munition ist ebenso knapp wie andere Hilfsmittel – entsprechend ist jede Verletzung doppelt ärgerlich. Doch das macht auch den Reiz des Spiels aus.

Zombies sehen in „Resident Evil 2“ nicht nur ausgezeichnet aus, sondern halten auch eine Menge aus. Oftmals sind Schüsse in die Beine der Modersäcke eine kluge Variante, um sich Ruhe zu verschaffen. Die Untoten sind dank der tollen Animationen und der blutrünstig inszenierten Attacken die heimlichen Hauptdarsteller des Spiels. Sie sind kein Kanonenfutter, sondern haben ihre feste Rolle innerhalb der Dramaturgie der Geschichte.

Typisch „Resident Evil“

Und so scheucht euch „Resident Evil 2“ durch die Straßen der Stadt, durch das Polizeirevier oder auch durch die Kanalisation: Action-Einlagen wechseln sich geschickt mit Rätseln ab. Grundlage für den Fortschritt sind dabei oftmals umfangreiche Puzzles, mit denen ihr die einzelnen Bereiche Stück für Stück freischaltet. Die Level-Architektur überzeugt: Areale wie die Polizeistation sind teils extrem verschachtelt und erstrecken sich über mehrere Etagen. „Resident Evil 2“ erfordert weitaus mehr Köpfchen und Taktik als man zunächst denken könnte.

Immer wieder müssen wir uns dran erinnern, wo bestimmte Objekte liegen und dann auch entscheiden, ob wir sie mitnehmen sollen. Der Inventarbildschirm ist deutlich übersichtlicher und aufgeräumter als im Original, doch die Slots für Gegenstände wie Waffen, Munition und Heilsprays sind begrenzt. Deshalb müssen wir Gegenstände in Kisten ablegen und so Platz schaffen.

Das Inventarmanagement mag gelegentlich etwas mühsam sein, ist aber typisch „Resident Evil“. Abseits der komplexeren Aufgaben warten auch oft Schiebe- und Schalterrätsel auf euch.

Wenn wir etwas an „Resident Evil 2“ bemängeln wollen, dann sind das nur Kleinigkeiten: Etwa können wir weiterhin keine Objekte in der Spielwelt ablegen und auch dass Zombies problemlos Kopfschüsse wegstecken, geht uns mit der Zeit latent gegen den Strich. Im Gegenzug hätten wir uns bei einigen Bosskämpfen etwas mehr Wumms gewünscht. Trotzdem: Capcom macht nahezu alles mit diesem Remake richtig – von dem aufgefrischten Gameplay bis hin zu der absolut zeitgemäßen Technik.

Meinung

Remakes bekannter Spiele haftet oft der „Muff“ des Originals noch an. In „Resident Evil 2“ ist das nicht der Fall. Capcom leistet ganze Arbeit und hievt das 21 Jahre alte Action-Adventure gekonnt auf PC, Playstation 4 und Xbox One. Jedoch verliert man dabei nie die Seele des Originals, sondern baut vielmehr darauf auf. „Resident Evil 2“ fühlt sich wie ein modernes Stück Software an und sieht aus, als wäre es eigens für den Release im Jahr 2019 konzipiert und entwickelt worden.

Nur wenige Spuren wie etwa die kleineren Inventarprobleme oder auch die Rätselstrukturen weisen auf die lange Vergangenheit hin. Kurzum: Mit „Resident Evil 2“ gelingt Capcom ein kleines Meisterwerk, das sich Freunde gepflegter Grusel-Unterhaltung nicht entgehen lassen dürfen.

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