Jump Force im Test: Packende Prügelkost zum 50. Jubiläum der Weekly Shonen Jump?
Mit "Jump Force" schickt sich das japanische Entwicklerstudio Spike Chunsoft an, das Genre der Anime-Prügler gehörig aufzumischen. Doch kann sich "Jump Force" gegen die namhafte Konkurrenz behaupten?

Im Sommer 2018 feierte die in Japan nach wie vor sehr populäre Weekly Shonen Jump ihren mittlerweile 50. Geburtstag. Um das runde Jubiläum gebührend zu feiern, schloss sich das Magazin mit dem Publisher Bandai Namco Entertainment zusammen und kündigte auf der E3 2018 die laufenden Arbeiten an „Jump Force“ an.

Ein Fighting-Titel, der bei den „J-Stars“-Machern von Spike Chunsoft entstand und 40 verschiedene Charaktere aus Serien wie „One Piece“, „Dragon Ball Z“, „Naruto“, „Bleach“ oder „Death Note“ umfasst. Da kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen, oder? Nunja, leider doch, wie der folgende Test auf Basis der Xbox One X-Version zeigen wird.

Fan-Service Deluxe zum Jubiläum

Wie bereits erwähnt, dürften sich Anhänger der Manga- und Anime-Kultur bei „Jump Force“ schnell im siebten Himmel wähnen. Egal ob Son-Goku, Vegeta oder Trunks aus „Dragon Ball Z“, Ichigo Kurosaki und Rukia Kuchiki aus „Bleach“, Monkey D. Luffy und Roronoa Zoro aus „One Piece“ oder Yugi-Moto aus „Yu-Gi-Oh“; was im Shonen Jump-Universum Rang und Namen hat, gibt sich in „Jump Force“ ein Stelldichein und macht sich daran, seinen Widersachern in den Arenen die virtuelle Nase zu richten. Das komplette All you can beat-Büffet aus Nippon sozusagen. Ein wenig schade ist, dass auf die westliche Synchronisation der Charaktere verzichtet wurde.

Die Puristen unter euch, die sich ihre Animes aus Prinzip in der japanischsprachigen Version zu Gemüte führen, können das Ganze gerne als Pluspunkt für sich verbuchen. Wer mit den teilweise schrillen und piepsigen japanischen Stimmen allerdings schon in Animes nichts anfangen kann, wird in „Jump Force“ mitunter schnell an seine Schmerzgrenze geführt. Zumal sich viele Sprachsamples vor allem im Kampf schnell wiederholen und mitunter doch ein wenig nerven können.

Im Story-Modus hingegen fällt diese Begebenheit nicht allzu sehr ins Gewicht, da viele Sequenzen überhaupt nicht vertont wurden. Und damit wären wir schon beim nächsten Punkt von „Jump Force“: Dem mittlerweile obligatorischen Story-Modus.

Eine schrecklich unspektakuläre Geschichte

Nicht dass wir uns hier falsch verstehen. Niemand würde von einem Fighting-Titel wie „Jump Force“ allen Ernstes eine mit zahlreichen spannenden Wendungen versehene Geschichte erwarten, wie sie beispielsweise von einem „The Witcher 3: Wild Hunt“ zelebriert wurde. Im Fall von „Jump Force“ passt die Handlung allerdings problemlos auf den oft zitierten Bierdeckel. Erschwerend kommt hinzu, dass die Geschichte von „Jump Force“ Spielern von „Dragon Ball FighterZ“ sehr bekannt vorkommen dürfte, da sie sich doch recht offensichtlich am Prügel-Hit aus dem Hause Arc System Works orientiert.

Freezer aus „Dragon Ball Z“ mimt mal wieder den Ober-Fiesfurz und schreckt in seinem typischen Größenwahn wie gehabt nicht davor zurück, im Zweifelsfall gleich komplette Welten zu pulverisieren. Der Planet Namek lässt grüßen. Getreu dem Motto „Zur falschen Zeit am falschen Ort“ steht euer Charakter im Intro des Story-Modus ungünstig im Weg und wird prompt von einem Querschläger niedergestreckt.

Glücklicherweise ist Trunks umgehend zur Stelle, belebt euren Protagonisten wieder und verwandelt diesen in einen Helden, der der namensgebenden Jump Force im Kampf gegen das Böse beistehen soll. Mittels der sogenannten Umbras-Kubus verwandeln Freezer und seine Schergen Helden in Bösewichte und versuchen so die Kontrolle über verschiedene Welten zu übernehmen.

So weit, so unspektakulär. Könnte man als Spieler noch über die generische Handlung hinwegsehen, dürfte spätestens die Inszenierung der Geschichte für Kopfschütteln sorgen. Warten zunächst noch ein optisches schickes Intro mit vertonten Sequenzen, wird der weitere Verlauf der Handlung zu großen Teilen anhand von drögen Textboxen weitererzählt.

Schelle links, Schelle rechts – online wie offline

Ehe ihr euch daran macht, Freezers Kumpanen das Fürchten zu lehren, führt der Weg zunächst in den Charakter-Editor. Ob ihr euch mit einem weiblichen oder männlichen Helden daran macht, euch zum stärksten Krieger des Universums aufzuschwingen, bleibt euch überlassen. Etwas schade ist, dass sich die zur Verfügung stehenden Frisuren und Körpermerkmale auf die der anderen Charaktere beschränken.

Immerhin besteht im weiteren Spielverlauf die Möglichkeit, euren Haudegen kontinuierlich zu verbessern, mit neuen Attacken zu versehen und optisch zu individualisieren. Womit wir endlich beim Herzstück von „Jump Force“ wären: Dem Kampfsystem.

Solltet ihr bereits mit Titeln wie „Dragon Ball Xenoverse“ oder „Naruto: Ultimate Ninja Storm“ in Kontakt gekommen sein, werdet ihr euch schnell heimisch fühlen. Die Charaktere verfügen über einen schweren sowie einen leichten Angriff, der in den Variationen hoch, tief oder mittig an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht werden kann. Die krachenden Combos setzen dabei keine große Einarbeitungszeit voraus und werden vollführt, indem ihr die entsprechende Taste einfach mehrfach drückt. Klassische Würfe, Blocks und der Sprint, mit dem ihr euch eurem Widersacher rasch nähert, dürfen ebenfalls nicht fehlen.

Mit zunehmender Kampfdauer füllt sich die sogenannte „Erwachen“-Anzeige, die besonders spektakuläre und vor allem mächtige Manöver erlaubt. Durch die wuchtigen Attacken wird dafür gesorgt, dass die Kämpfe bis zum Ende spannend bleiben und stets eine unerwartete Wendung nehmen können. Denn auch wenn sich die Teams aus jeweils drei Charakteren zusammensetzen, teilen sich die Trupps jeweils nur eine Lebensanzeige.

Positiv hervorzuheben ist, dass mit den Blocks, den daraus resultierenden Kontern und den mächtigen „Erwachen“-Attacken ausreichend taktischer Tiefgang geboten wird, um selbst alte und erfahrene Fighting-Titel-Hasen zufriedenstellen. Da die wuchtigen Attacken in Form von automatischen Sequenzen ablaufen, sollte allerdings nicht mit dem Spielfluss eines „Dragon Ball FighterZ“ gerechnet werden. Spaß machen die Kämpfe von „Jump Force“ aber allemal – egal ob lokal oder online.

Lade Daten, bitte warten…

Nachholbedarf herrscht im Bereich des Balancings. Da die Charaktere von den Attacken teilweise durch die ganze Arena geschleudert werden, genießen Charaktere mit starken Fernangriffen stets einen kleinen Vorteil. Dies führt dazu, dass Recken, deren Fokus auf Nahkampfattacken liegt, in unserem Test vor allem in Online-Duellen eine untergeordnete Rolle spielten.

Mit zunehmender Spieldauer arrangiert man sich allerdings mit dieser Begebenheit und stellt sein Team entsprechend zusammen. Zumal der Netcode in unseren Testrunden einen hervorragenden Job machte. Verbindungsabbrüche, Lags und ähnliche Unzulänglichkeiten? Fehlanzeige. Ebenfalls ein Lob verdienen sich die Entwickler von Spike Chunsoft für die beeindruckende Inszenierung der Kämpfe, die auf der Xbox One X sogar in der nativen 4K-Auflösung erstrahlen.

Ausgetragen werden die spektakulären Duelle in abwechslungsreichen Arenen, die mit vielen kleinen Details versehen wurden. Und spätestens wenn beliebte Charaktere wie Vegeta oder Son-Goku eine bildschirmfüllende Attacke zum Besten geben, dürfte Anime- und Manga-Fans das Herz aufgehen. Leider fordert die krachende Inszenierung der Kämpfe immer wieder ihren Tribut. Vor allem bei besonders effektreichen Attacken knickt die Framerate des Öfteren ein. Aufgrund der Tatsache, dass die besagten Manöver in Form von mehrsekündigen Sequenzen ablaufen, wird die Spielbarkeit von den Framerate-Einbrüchen allerdings nicht negativ beeinflusst.

Trotz allem sind es unter dem Strich technische Probleme, die in „Jump Force“ immer wieder darauf warten, dem Spielspaß einen schmerzhaften Tiefschlag zu verpassen. Auf die durchwachsene Inszenierung des Story-Modus sind wir bereits eingegangen. Ebenfalls für Unverständnis dürfte die Entscheidung sorgen, komplett auf ein klassisches Menü zu verzichten und sämtliche Funktionen des Spiels in eine optisch wenig spektakuläre HUD-Welt zu verfrachten.

In dieser findet ihr verschiedene NPCs und Geschäfte, in denen ihr an Kämpfen teilnehmen, euren Charakter individualisieren und im Online-Modus andere Spieler zum Kampf herausfordern könnt. Doch egal, welche Schritte ihr in die Wege leitet, regelmäßig seht ihr euch mit dem größten Manko der technischen Umsetzung konfrontiert: Den Ladezeiten, die euch quasi auf Schritt und Tritt begleiten.

Ihr öffnet den Charakter-Editor und starrt auf den Ladebildschirm. Ihr möchtet eine Story-Mission in Angriff nehmen? Ladebildschirm. Ihr möchtet ein Duell über die Rematch-Funktion noch einmal starten? Lehnt euch zurück und „genießt“ den Ladebildschirm. Selbst wenn man gewillt sein sollte, über die schwache Präsentation der HUD-Welt hinwegzusehen, ist spätestens bei den Ladezeiten Schluss mit lustig. Unsere Empfehlung an die Entwickler: Bei zukünftigen Updates bitte die Finger vom Netcode lassen und stattdessen die Ladezeiten auf ein erträgliches Maß reduzieren. Dann klappt es auch mit dem Spielfluss und somit dem Spielspaß.

Meinung

„Jump Force“ macht es einem wirklich nicht leicht und verschenkt leider viel Potential. Zwar kann sich das Kampfsystem hinsichtlich des Spielflusses und des Anspruchs nicht mit Konkurrenten wie „Dragon Ball FighterZ“ messen, bietet unter dem Strich aber ausreichend Tiefgang, um Neulinge wie erfahrene Genre-Fans gleichermaßen zufriedenstellen. Zumal der Netcode in unserem Test einen hervorragenden Eindruck hinterließ, während Solisten im Story-Modus mit zahlreichen freischaltbaren Extras, zusätzlichen Missionen und weiteren Inhalten bedacht werden, die zumindest in der Theorie dazu animieren würden, der Welt von „Jump Force“ immer wieder einen Besuch abzustatten.

Da könnten Anime- und Manga-Fans mit viel Wohlwollen sicherlich auch über die teilweise recht trockene Präsentation der Geschichte hinwegsehen. Leider stehen sich die Entwickler von Spike Chunsoft mit diversen Design-Entscheidungen selbst im Weg. Zum einen macht die HUD-Welt die Navigation unnötig kompliziert. Ein klassisches Menü wäre hier sicherlich die bessere Wahl gewesen. Ebenfalls für Frust sorgen die allgegenwärtigen Ladezeiten, die so etwas wie Spielfluss gar nicht erst aufkommen lassen.

Sollten die Ladezeiten mit einem der kommenden Updates spürbar reduziert werden, dürfen zumindest eingefleischte Anime- und Manga-Fans gerne einen Blick riskieren. Alle anderen sind mit Genre-Vertretern wie „Dragon Ball FighterZ“ sicherlich besser beraten.

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