Metro Exodus im Test: Wieso ihr diesen Story-Shooter spielen solltet!
Wagt ihr den Roadtrip durch das atomar verseuchte Russland? „Metro: Exodus“ entpuppt sich als absolut herausragender Story-Shooter – mit kleinen Schwächen. Welche das sind, erklären wir im umfangreichen Test zum dritten Teil der „Metro“-Saga.
Metro Exodus im Test: Wieso ihr diesen Story-Shooter spielen solltet!
Wir haben uns "Metro Exodus" angeschaut.

In Zeiten von „Fortnite“, „Apex Legends“, „Anthem“ und „The Division 2“ sind klassische Story-Shooter eine gefährdete Spiele-Spezies. Entsprechend exotisch erscheint „Metro: Exodus“. Entwickler 4A Games verzichtet auf unnötigen Multiplayer-Ballast und konzentriert sich stattdessen – wie schon in „Metro 2033“ und „Metro: Last Light“ – auf eine spannende Kampagne. Diese entsteht diesmal nur mit der Unterstützung des „Metro“-Autoren Dmitri Gluchowski: „Exodus“ nutzt zwar seine Science-Fiction-Serie als Basis, erzählt diese aber unabhängig davon weiter.

Doch das ist nicht die einzige Neuerung: Wie es der Name schon verrät, zieht es die „Metro“-Saga in eine offenere Spielwelt. Im dritten Teil der Reihe bereist ihr Russland auf der Suche nach einer neuen, lebenswerten Heimat für Artjom, seine Frau Anna und die Spartaner. Als Fortbewegungsmittel dient in diesem Fall der Zug Aurora. Sie wird im Verlauf der knapp 20-stündigen Kampagne zu eurer Basis.

Starke Story mit einem stummen Helden

Auch wenn das Setting etwas holprig eingeführt wird, so tut die Veränderung der „Metro“-Reihe gut. Durch die ständig wechselnden Schauplätze wirkt „Exodus“ lebendiger und abwechslungsreicher. Dank der sich verändernden Jahreszeiten erhalten wir zudem ein Gefühl für die Zeit, die Artjom und seine Leute für diese Reise benötigen. Anfangs erkundet ihr beispielsweise die verschneiten Regionen der Wolga, später erforscht ihr sogar Wälder und Wüsten.

Die Vielfalt ist kein Bruch mit dem Erbe der Reihe. Viele bekannte Elemente wie beispielsweise finstere Bunker und enge Gebäude bleiben weiterhin erhalten. Wer glaubt, „Metro: Exodus“ erzeugt keine Gänsehaut mehr, der irrt. Egal, ob Banditen, fliegende Dämonen oder rattenartige Nosalis – Der Nervenkitzel im Kampf ums Überleben bleibt erhalten.

Die Geschichte punktet ebenfalls mit interessanten Wendungen und besitzt speziell mit Anna einen emotionalen Ankerpunkt. Allerdings bleibt Artjom – abgesehen von den Ladebildschirmen – stumm und wirkt dadurch fast wie ein Fremdkörper. Sein Charakter glänzt nicht, sondern bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Zwar erledigt er die Drecksarbeit, ist aber keine Identifikationsfigur.

Die Welt da draußen

Erwartet bei „Metro: Exodus“ aber kein Sandbox-Gameplay wie in „Red Dead Redemption 2“. Die Gebiete erweisen sich als angenehm weitläufig, erschlagen einen aber nicht mit Haupt- und Nebenaufgaben. Vielmehr zieht einen das Spiel mit den interessanten Schauplätzen schnell in seinen Bann und besitzt weiterhin einen roten Faden, dem ihr folgen müsst. Die ebenfalls sehr schön integrierten Zusatzaufgaben versorgen euch wiederum mit weiteren Informationen über die Geschehnisse in Russland oder mit Rohstoffen und Waffen.

Auch wenn sich „Metro: Exodus“ nicht als klassisches Survival-Abenteuer sieht, so übernimmt es dennoch viele Funktionen aus diesem Genre. Strahlung und vergiftete Luft schaden Artjom. Und geht seine Gasmaske in einem der Kämpfe kaputt, müsst ihr diese per Tastendruck flicken. Ansonsten stirbt der Gute einen qualvollen Tod.

Eure Waffen rüstet ihr nicht nur mit Aufsätzen, Griffen und Visieren auf, ihr müsst sie auch reinigen. Tut ihr das nicht, riskiert ihr im nächsten Gefecht Ladehemmungen und das bezahlt ihr im schlimmsten Fall sogar mit dem Leben. „Metro: Exodus“ verzichtet standardmäßig auf üppige Bildschirmanzeigen und integriert wichtige Funktionen direkt ins Spiel.

Die Karte etwa findet auf einem Klemmbrett Platz. Wie gut sichtbar Artjom bei Dunkelheit ist, zeigt euch eine Lampe am Handgelenk des Soldaten. Die Steuerung erweist sich dabei als durchaus fordernd und speziell Konsolenspieler müssen sich mit Doppelbelegungen auf dem Gamepad anfreunden. Zwar kennt man das überfrachtete Layout bereits aus dem Vorgänger, trotzdem bleibt die Navigation Gewöhnungssache.

Tücken und Stärken der Technik

„Metro: Exodus“ überlässt euch die Entscheidung darüber, wie aggressiv ihr vorgehen möchtet. Mit eurer Spielweise beeinflusst ihr sogar das Ende und die Missionen selbst. Das Schleichen bleibt Werkzeug der Wahl und funktioniert ähnlich wie schon im Vorgänger ordentlich, aber nicht perfekt. Die Gegner führt ihr beispielsweise durch das Werfen von Dosen an der Nase herum oder löscht Kerzen und Feuer, um nicht gesehen zu werden.

Sehr schön: Die Tages- und Nachtwechsel haben einen direkten Einfluss auf die Kämpfe. Nachts treiben sich zwar mehr Monster in den Gebieten herum, dafür schlafen Menschen und haben zudem Probleme mit der Dunkelheit. Clever: Dominiert ihr Kämpfe, ergeben sich eure Gegner und legen die Waffen nieder. Monster bzw. Humanimals tun dies nicht, sondern kämpfen bis zum bitteren Ende.

„Metro: Exodus“ bezieht seine Faszination aus dem spannenden Szenario und der Vielzahl an Möglichkeiten. Das Aufrüsten der eigenen Waffensysteme überzeugt dabei ebenso wie die Nebenmissionen und das Shooter-Gameplay an sich. Man erzielt recht schnell Fortschritt und gerade das stete Sammeln von Rohstoffen in Verbindung mit den ebenfalls versteckten Bonus-Informationen und Figuren halten einen bei Laune.

Schwächen gibt es aber ebenfalls: Die Gegner-KI präsentiert sich als wankelmütig. Gerade Banditen agieren fast schon selbstmörderisch und bleiben nicht konsequent genug in Deckung. Fortgeschrittene Manöver wie Flankieren beherrschen sie gar nicht.

Darüber hinaus spielt die Technik „Metro: Exodus“ immer wieder Streiche. Zum einen sind die Ladezeiten unglaublich lang. Beim Starten des Spiels vergeht gerne mal weit mehr als eine Minute. Selbst die Ladezeiten nach dem virtuellen Ableben fressen 30 Sekunden und mehr. Im Spiel selbst gibt es immer wieder Clipping-Fehler und andere Macken. Hier muss 4A Games noch nachbessern.

Auch gelegentlich Slowdowns trüben die ansonsten herausragende Präsentation leicht. Egal, ob Umgebungsgrafik, Monsterdesign oder auch Sprachausgabe und Soundtrack – „Metro: Exodus“ liefert auf der ganz großen Bühne ab, besitzt aber auch noch einige Ecken und Kanten.

Meinung

Wer sich bislang noch vor der „Metro“-Serie gesperrt hat, der sollte jetzt zuschlagen. „Exodus“ ist der zugänglichste und zugleich beste Teil der Serie. Der Wechsel in eine offenere Spielwelt tut dem Spiel gut, ohne dabei die Spannung zu zerstören. Der dritte Teil der Reihe überzeugt mit seinem sehr abwechslungsreichen Gameplay und den geschickten Wechseln aus Erkunden, Story und Kämpfen.

Letztere bleiben eine gewaltige Herausforderung und bringen den Survival-Aspekt stärker zum Tragen als zuvor. Die weitläufigen Gebiete sind somit nicht nur nette Deko, sondern auch Teil des spielerischen Kerns von „Metro: Exodus“. Einen kleinen Dämpfer erhält die Euphorie durch den charakterlosen Helden Artjom, durch Technik-Probleme und Abzüge bei der Gegner-KI. Das ändert aber nichts daran: Wer Story-Shooter mag, muss „Metro: Exodus“ spielen!

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