The Division 2 im Test: Endlich ein vernünftiger Loot-Shooter
Washington D.C. ist eure Spielwiese: Ubisofts Loot-Shooter „The Division 2“ legte einen überzeugenden Start hin und punktet im Test mit gewaltigem Umfang, verbesserter Spielbarkeit und launigem Koop-Gameplay. „Anthem“ kann sich hier eine dicke Scheibe abschneiden!

Der Start eines groß angelegten Online-Spiels wie „Tom Clancy’s The Division 2“ stellt Entwickler vor besondere Herausforderungen und Aufgaben: Halten die Server dem Spieler-Ansturm stand? Ist das Programm überhaupt fehlerfrei? Und stimmt das Balancing? Ubisoft und Entwickler Massive Entertainment gingen im Falle von „The Division 2“ auf Nummer sicher und schoben wenige Wochen von Release noch eine umfangreiche Open-Beta ein.

Diese Mühen zahlen sich seit dem 15. März 2019 aus: „The Division 2“ kam ohne Probleme auf den Markt. Auch im Test gab es – abseits der angekündigten Server-Arbeiten und Patches – kaum nennenswerten Schwierigkeiten. Jetzt stellt sich nur noch die Frage: Macht „The Division 2“ denn auch Spaß?

Washington braucht euch!

Sechs Monate nach dem Ausbruch der berüchtigten Dollargrippe liegt die Zivilisation in Trümmer. Auch die amerikanische Hauptstadt Washington kämpft mit den Folgen: Drei aggressive Fraktionen streiten unerbittlich um die Vorherrschaft. Das ruft die Agenten der Division auf den Plan. Sie sollen für Ordnung sorgen. Die Kampagne von „The Division 2“ erstreckt sich über gut 25 Spielstunden und zeichnet sich weniger durch die originelle oder gar emotionale Geschichte als vielmehr durch seine Schauplätze und Gefechte.

Das Spiel bleibt den Tugenden seines Vorgängers treu und setzt auf Dauer-Action mit starkem Fokus auf Taktik und Deckungssystem. Allerdings sind die Missionen weitaus abwechslungsreicher als zuvor und binden die Stadt Washington gelungen in den Zusammenhang ein. Orte wie das Lincoln Memorial, das Weiße Haus oder verschiedenste Museen- und Bunkeranlagen besitzen einen enormen Wiedererkennungswert und bestechen durch viele Referenzen und gelungenes Level-Design.

Immer das selbe?

„The Division 2“ präsentiert sich als sourveräne Fortsetzung. Erwartet also keine Rätsel oder Fahrzeugpassagen. In den meisten Missionen kämpft ihr euch lediglich von einem Raum zum nächsten und erledigt dabei anrückende Gegnerhorden. Sehr schön: Dank der drei Fraktionen (Hyeenas, True Sons und Outcasts) fällt die Auswahl an Soldatentypen angenehm groß aus. Die Feind-KI agiert zudem auf erstaunlich gutem Niveau.

Die Burschen umzingeln euch problemlos oder nutzen Granaten oder Molotow-Cocktails zu ihrem Vorteil. Gelegentlich leisten sich die Feinde aber auch kleine Schwächen. Sie wechseln Positionen ohne große Not und bringen sich so in Gefahr.

„The Division 2“ spielt sich ein ganzes Stück runder als der erste Teil. Die Steuerung ist direkter, das Treffer-Feedback dank Bildschirmicons und gelungener Animationen erstklassig. Die Jagd nach Level-Aufstiegen und frischer Ausrüstung bestimmt den Spielablauf. Das Spiel überschwemmt euch mit Loot. Das motiviert enorm. Ihr erhaltet ein stetiges Gefühl für Fortschritt und tobt euch bei der Zusammenstellung eures Agenten aus.

Schließlich greift ihr auf zwei Haupt- und eine Nebenwaffe sowie zwei von insgesamt acht Fähigkeiten zurück. Geschütz, Suchermine, Schild und Co. verfügen über verschiedene Ausrüstungstypen und lassen sich so an den eigenen Spielstil anpassen. Gerade wenn ihr alleine unterwegs seid, sind Hilfetalente wie die Reparaturdrohne enorm praktisch. Zugegeben, einige Fähigkeiten überschneiden sich in ihrer Funktionalität stark, aber ihr werden schon eure Favoriten selbst herausfinden. „The Division 2“ fordert stets mit angenehm hohem Schwierigkeitsgrad und knackigen Kämpfen.

Ewig lockt das Loot

Massive Entertainments Shooter kreiert einen ganz besonderen Spielfluß. Selbst wenn wir nur kurz in das Spiel einsteigen möchten, verfliegen die Stunden wie im Flug. Schuld daran sind die kurzen Wege und die gute Balance zwischen Missionen, zufälligen Schießereien auf offener Straße und der Erkundung der Spielwelt.

Letztlich bietet „The Division 2“ diese drei Ansätze und wenn ihr etwa keine Lust auf Haupt- und Nebenaufträge habt, könnt ihr genauso gut im Untergrund, in kontaminierten Gebieten oder in den drei Dark Zones nach Beute suchen. Das Spiel belohnt alle Vorgehensweisen gleichermaßen.

Den meisten Spaß bereitet „The Division 2“ natürlich im Koop-Modus. Dann könnt ihr nämlich Talente und Waffen aufeinander abstimmen, euch gegenseitig wiederbeleben und beim Flankieren unterstützen. Solisten haben es einen Hauch schwerer, kommen aber trotzdem auf ihre Kosten.

Sehr schön: Im späteren Verlauf schaltet ihr neben der klassischen Item-Fertigung auch erweiterte Crafting-Funktionen frei und könnt so Eigenschaften der Waffen und Ausrüstungsgegenstände austauschen. Langzeitspieler haben dank Funktionen wie Mods – also verschiedenen Visieren, Griffen und Magazinen – sowie dem Crafting auch nach 20 Stunden noch die Möglichkeit zum Feintuning.

Schade: Viele fortgeschrittene Funktionen erklärt das Spiel nur dürftig, sodass ihr vieles selbst herausfinden müsst. „The Division 2“ verpasst die Chance bestimmte Spielmechaniken direkt in die Kampagne einzubinden.

Die Spielwelt wirkt dank lebendiger Stationen wie Kontrollpunkten oder auch Siedlungen mit zusätzlichen Nebenaufträgen und Projekten angenehm kleingliedrig. Wege zum nächsten Ziel sind aufgrund von Safehouses und vielen Schnellreisepunkten kurz. Selbst wer mal drauf geht, verliert kaum Zeit oder Fortschritt. Das motiviert zum Weiterspielen.

Die Frage nach dem Endgame

Mit dem Beenden der Kampagne und dem Erreichen von Level 30 rollt schließlich die nächste Bedrohung auf Washington D.C. zu. Die Black Tusk übernehmen die Karte. Sie fahren schwere Geschütze wie kleine Panzer und Kampf-Walker auf. Durch sie zieht der Schwierigkeitsgrad im Endgame noch einmal merklich an. Bereits erledigte Hauptmissionen erhalten durch den neuen Feind einen neuen Twist, bleiben aber in Sachen Leveldesign nahezu gleich.

Statt um Level-Punkte grindet ihr nun um immer bessere Ausrüstung. Darüber hinaus bescheren euch die drei Spezialisierungen Überlebensspezialist, Scharfschütze und Explosionsexperte für neue Waffen inklusive zusätzlicher Talentbäume. Der noch recht einfach gehaltene PvP-Modus lockt zudem mit immer neuen Gegenständen, ist aber sicher kein Kaufgrund.

Meinung

Nach dem enttäuschenden „Anthem“ ist „The Division 2“ eine positive Überraschung. Nicht nur, dass Ubisofts Loot-Shooter extrem geschmeidig startete, es wertet auch den bereits gelungenen Vorgänger sinnvoll auf und protzt mit gewaltigem Umfang – auch im Endgame. Spielerisch bleibt natürlich die Grinding-Spirale erhalten: So kämpfen wir uns durch Feindeshorden, sammeln Waffen und Ausrüstungsobjekte ein und leveln unseren Charakter auf.

Die Deckungsmechanik funktioniert erstklassig und das verbesserte Trefferfeedback sorgt in Verbindung mit dem durch Mods einstellbaren Rückschlagsystem für besseres Shooter-Feeling. Wenn wir „The Division 2“ etwas ankreiden möchten, dann das arg repetitive Missionsdesign, die austauschbare Kampagne und die schwachen Tutorials. Gerade Einsteiger haben es schwer.

Wer sich aber durchbeißt, bekommt einen launigen und gleichermaßen umfangreichen Online-Shooter, der gerade mit Freunden sehr viel Spaß verbreitet. Wer von „Anthem“ enttäuscht war, findet hier Genugtuung und genug zu tun.

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