Days Gone im Test: Wie gut ist das exklusiv für PS4 entwickelte Zombie-Abenteuer?
Zombies, Biker und Emotionen: „Days Gone“ verbindet Zombie-Apokalypse und eine offene Spielwelt. Doch geht dieser Mix nach etlichen Release-Verschiebungen noch auf?
PS4
Days Gone im Test: Wie gut ist das exklusiv für PS4 entwickelte Zombie-Abenteuer?
Wir haben uns "Days Gone" abgeschaut.

Mit „Days Gone“ blickt Bend Studio auf eine bewegte Entwicklungsgeschichte zurück. Die Arbeiten des auf der Unreal Engine 4 basierten Open-World-Spiels begannen nämlich bereits im Januar 2015, ehe das Projekt auf der Spielemesse E3 2016 erstmals das Licht der Öffentlichkeit erblickte.

Eigentlich hätte „Days Gone“ bereits 2018 auf den Markt kommen sollen, doch gleich mehrere Release-Verschiebungen schürten das Misstrauen, ob sich Entwickler Bend Studios nicht vielleicht mit seinem Projekt übernommen haben könnte.

Bereits vor dem Start des Spiels veröffentlichte Bend Studio einen rund 21 GigaByte großen Day-One-Patch auf die Version 1.03. Diese behebt zwar längst nicht alle Fehler, sorgt aber für Besserung. So viel vorweg: „Days Gone“ ist zum Launch noch nicht fehlerfrei, aber erweist sich im Test als absolut spielenswerte Open-World-Alternative.

Ein Biker mit Ecken und Kanten

„Days Gone“ spielt zwei Jahre nach der Pandemie. Schauplatz für das finstere Setting ist die Farewell-Wildnis getaufte Region im amerikanischen Bundesstaat Oregon. Nach dem Zusammenbruch der Zivilisation kämpfen die wenigen verbliebenen Menschen ums Überleben. Deacon St. John und sein Kumpel Boozer sind so genannte Drifter: Sie erledigen kleinere Jobs für die etablierten Camps, bleiben aber lieber unter sich.

Das ändert sich allerdings, als die beiden von den Ripper-Kultisten überfallen werden. Boozer entkommt dieser Attacke nur mit schwersten Verletzungen, was Deacon dazu zwingt, den Kontakt zu den verschiedenen Camps zu suchen. „Days Gone“ zeigt sich weniger als Zombie-Slasher, als vielmehr als erzählender Action-Schleicher. Deacon St. John gerät rasch zwischen die Fronten und muss unfreiwillig mit den Anführern der Camps paktieren.

Open-World mit Story-Bezug

Alle Missionen besitzen daher einen starken Bezug zur Geschichte bzw. zu den einzelnen Fraktionen. Klassische Open-World-Elemente wie etwa das Erobern von NERO-Wissenschaftseinrichtungen oder dem Zerstören von Hinterhalten gibt es zwar, sie steht aber weitaus weniger im Fokus als ähnliche Spielideen in etwa „Assassin’s Creed: Odyssey“.

Stattdessen spielen die Hintergründe und die Charaktere eine größere Rolle: Deacon St. John selbst präsentiert sich als zerrissener Protagonist, der nicht nur Boozer retten, sondern auch seine verschollene Frau Sarah finden will. Die Camps besitzen allesamt ihre Ideologien: Hot Springs mit Anführerin Tuck etwa erweist sich als Arbeitslager, in dem die Menschen zwar sicher sind, aber auch ausgebeutet werden.

Im Verlauf müsst ihr entscheiden, für welche Fraktion ihr Aufträge übernehmt und wohin ihr Gerettete letztlich schickt. „Days Gone“ verarbeitet gleich mehrere Story-Fäden und spinnt daraus ein spannendes Gesamtkunstwerk. Bilden etwa die Rückbezüge zu Deacons Frau Sarah den emotionalen Hintergrund, so geht ihr etwa auch auf die Suche nach der Ursache der Zombie-Pandemie.

Survivaltraining geht anders …

Die offene Spielwelt erkundet ihr mit Hilfe von Deacons Motorrad. Dessen Benzinverbrauch ist eines der wenigen echten Survival-Elemente: Nach einem Motorschaden müsst ihr nämlich ständig nachtanken und schafft (gefühlt) nur wenige Kilometer damit. Das integrierte Schnellreisesystem koppelt Bend Studio ebenfalls an den Benzinverbrauch.

Dadurch müsst ihr eure Reisen immer so planen, dass ihr entweder an Camps, Tankstellen oder anderen Spritquellen vorbei kommt. Bleibt ihr auf halber Strecke liegen, kostet der „Rückholservice“ extra. Diese Funktion nervt selbst nach diversen Bike-Upgrades merklich.

Jedes Camp besitzt übrigens seine eigenen Credits und so genannte Camp-Punkte. Erledigt ihr Aufträge, schaltet ihr Stufenaufstiege frei, mit denen ihr wiederum stärkere Waffen oder Bauoptionen beim Mechaniker aktiviert. „Days Gone“ nimmt nur leichte Rollenspiel- und Survival-Anleihen. Crafting-Rezepte erhaltet ihr für das Erledigen bestimmter Missionen oder das Erobern von Hinterhalten.

Über das Inventarrad könnt ihr dann unterwegs Molotow-Cocktails, Nagel-Baseballschläger oder Medi-Kits basteln. Schlagwaffen gehen mit der Zeit sogar kaputt. Jedoch repariert ihr sie mit Hilfe von gefundenem Schrott.

Versorgungsengpässe gab es im Test kaum: „Days Gone“ spuckt mehr als ausreichend Loot aus. Zugleich überfordert das Spiel aber auch dadurch nicht und verzichtet auf die Flut von Items und Missionen. Für ein Open-World-Spiel gestaltet sich das Programm überraschend übersichtlich. So hangeln wir uns von einer Mission zur nächsten – meist angetrieben durch Geschichten oder interessante Personen.

Einziger Dämpfer: Gelegentlich gibt es kleinere Logikprobleme innerhalb der Geschichte. Diese begründen sich zumeist aus Schnellreisen. Seid ihr nämlich mit dem Motorrad unterwegs, kommuniziert Deacon oft mit Boozer oder andere Kameraden. Unterbrecht ihr diese Dialoge, ruft das Spiel sie später noch einmal ab. Das sorgt gelegentlich für Ungereimtheiten innerhalb der Timeline des Action-Abenteuers.

Schleichen, kämpfen oder beides?

Spielerisch reißt „Days Gone“ keine Bäume aus, sondern präsentiert sich als klassisches Third-Person-Actionspiel mit solider Stealth-Mechanik. Die Freaker getauften Zombies verhalten sich klischeehaft dumm und lassen mit Steinen oder umgebauten Funkgeräten ablenken. Schleicht ihr euch hinterrücks an sie heran, fertigt ihr sie mit nur einem Schlag ab. Banditen und Ripper besitzen verschiedene Alarmierungszustände.

Zunächst gehen sie verdächtigen Geräuschen nach und eröffnen erst danach das Feuer. Sie greifen dabei stets die letzte Position an, bei der sie euch vermuten. Das gibt euch immer wieder die Chance, den Angriffen zu entkommen. Zudem trefft ihr im Verlauf auf die Truppen der NERO-Organisation: Sie sind schwer gepanzert und dadurch unkaputtbar. Sobald sie euch entdecken, ist die Mission gescheitert.

Sehr schön: Wie die Gegner auf eure Schleichversuche reagieren, hängt auch vom Wetter und der Tageszeit ab. Bei Nacht sehen Wachen und Zombies deutlich schlechter. Kommt dann noch Regen hinzu, hören sie auch noch schlecht. Daher lohnt es sich Banditenlager in der Dunkelheit anzugreifen.

Allerdings sind Nachts auch mehr Freaker unterwegs und sind zudem stärker. Passt ihr nicht auf, heftet sich nach wenigen Schüssen eine Horde an eure Fersen. Die Kämpfe machen trotz der schwammigen Steuerung und des mäßigen Waffen-Feedbacks Spaß. Gerade Nahkämpfe gewinnen durch saftige Effekte und harte Kombos an Intensität hinzu.

Jedoch leidet „Days Gone“ auch nach dem Day-One-Patch nur unter einigen Kinderkrankheiten: Im Test schwebte etwa mal ein Kopf in der Luft. Dazu treffen wir regelmäßig auf Clipping- und andere Grafik-Fehler. An einer Stelle startete zudem die Mission nicht automatisch. Wir mussten das Spiel mehrmals neu laden, um die Partie fortsetzen zu können.

Auch das rudimentäre Deckungssystem funktioniert nicht immer tadellos und schnelle Positionswechsel fallen gelegentlich schwer. Trotz Zeitlupenfunktion ist das Auswählen von Equipment mit Hilfe des Inventarrads unnötig kompliziert. Es fehlt hier ein klarer Hinweis, welches Objekt man tatsächlich ausgewählt hat.

Fazit

Wir hatten Schlimmes erwartet und sind positiv überrascht. „Days Gone“ mag zwar nicht sonderlich originell sein, überzeugt aber mit seiner gut geschriebenen Geschichte und dem konsequenten Open-World-Design. Dramatisch schlecht ist – abseits der teils störenden Fehler und der teils schwammigen Steuerung – nichts.

Die Steuerung hätte einen Hauch direkter ausfallen dürfen. Gerade die Menüs wirken überladen und alles andere als übersichtlich. Auch die Survival-Elemente hätten angesichts des Settings ruhig etwas dominanter ausfallen dürfen.

Doch davon abgesehen erweist sich „Days Gone“ als gefälliges Zombie-Action-Adventure mit gehörigem Story-Einschlag. Die meisten Motive kennt man zwar bereits aus „The Walking Dead“, jedoch fügt das Spiel die meisten Ideen sinnvoll zu einem gelungenen Erlebnis zusammen.

Deacon als rauer Biker mit Herz überzeugt und die Mischung aus Stealth, Action und kleineren RPG-Elementen bietet genügend Abwechslung für die Spielzeit von 40 bis 50 Stunden. Die geschickt miteinander verzahnten Missionen machen – zusammen mit dem Setting – den Hauptanreiz des Zombie-Abenteuers aus.

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