Digitaler Wandel: Gebrauchtmarkt bricht in Großbritannien ein
In Großbritannien wird mit Gebrauchtspielen immer weniger Umsatz erwirtschaftet. Innerhalb eines Jahres brach der Markt um 30 Prozent ein. In anderen Ländern dürfte es eine ähnliche Tendenz geben.
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Digitaler Wandel: Gebrauchtmarkt bricht in Großbritannien ein
So einfach ist die Weitergabe von Spielen bald nicht mehr.

Gebrauchtspiele sind den Publishern seit Jahren ein Dorn im Auge. Abhilfe sollten einst die sogenannten Online-Pässe schaffen. Sie lagen jedem neuen Spiel bei und dienten zur Freischaltung der Online-Modi von Spielen. Da sie nur einmal einlösbar waren, verlor das Spiel beim Weiterverkauf einen Teil der Features. Die Käufer hatten allerdings die Möglichkeit, beim jeweiligen Publisher einen neuen Pass zu erwerben.

Wenig später gingen die ersten Publisher dazu über, sich von den Online-Pässen zu verabschieden und die Spieler mit einem GaaS-Ansatz Monate oder Jahre im Spiel zu halten. Die Season-Pässe wurden geboren, mit denen die Games zugleich über einen längeren Zeitraum monetisiert werden konnten.

Gebrauchtmarkt bricht ein

Inzwischen sind ein paar Jahre vergangen. Und es scheint, dass sich das Problem mit den Gebrauchtspielen für die Publisher in Luft auslöst. Aus Großbritannien traf in dieser Woche die Meldung ein, dass der Gebrauchtmarkt in der dortigen Region im vergangenen Jahr um 30,8 Prozent eingebrochen ist. Der Umsatz sank von 98,2 Millionen Pfund im Jahr 2017 auf 67,9 Millionen.

Dass lediglich eine Verschiebung stattfand, verdeutlicht die Tatsache, dass der gesamte Spielemarkt in Großbritannien keine negativen Auswirkungen zu spüren bekam. Erstmals konnte der Umsatz mit Software die Marke von 4 Milliarden Pfund durchbrechen. Das ist eine Steigerung um rund zehn Prozent. Der Hardware-Umsatz legte um 10,7 Prozent auf 1,57 Milliarden Pfund zu.

Ausschlaggebend für den sinkenden Umsatz mit Gebrauchtspielen dürfte in erster Line eine Verschiebung hin zu Käufen von digitalen Spielen sein. Auch der GaaS-Ansatz scheint aufzugehen. Beschäftigt sich ein Spieler über Wochen, Monate oder Jahre mit einem Spiel, dann verkauft er es nicht. Behilflich sind dabei sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Inhalte.

Umsatzverschiebungen bei Spiele-Software

  • Digital & Online: +20,3 Prozent
  • Mobile-Games: +8,2 Prozent
  • Boxed Software: -2,6 Prozent
  • Gebrauchtspiele: -30,8 Prozent

Einen weiteren Anteil am sinkenden Gebrauchtspielmarkt dürften Abo-Dienste wie Xbox Game Pass, PlayStation Now und EA/Origin Access haben. Über diese erhalten die Kunden zum Pauschalpreise eine Reihe von Games, die sie im Grunde digital mieten und somit nicht verkaufen können.

Zum Thema: Bethesda wehrt sich gegen den Vorwurf, den Verkauf von Gebrauchtspielen stoppen zu wollen

Im digitalen und Online-Bereich wurden im vergangenen Jahr in Großbritannien 50 Prozent des Software-Umsatzes generiert. Dieser Markt umfasst den Download kompletter Spiele, DLCs und Mikrotransaktionen. Vor allem Spiele wie „PUBG“ und „Fortnite“ konnten für einen Zuwachs sorgen.

Es ist davon auszugehen, dass Gebrauchtspiele immer mehr am Relevanz verlieren werden. Dafür sorgen die Verschiebung hin zum digitalen Verkauf, die aufkeimenden Streamingdienste und auch die bereits erwähnten Aboangebote. Der Xbox Game Pass umfasst beispielsweise alle neuen Veröffentlichungen der Xbox Game Studios. Diese müssen somit nicht einzeln gekauft werden, was den Wiederverkauf unmöglich macht.

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