Mortal Kombat 11 im Test: Knackig gutes Prügelspiel mit grenzwertigem Grinding und Mikrotransaktionen
27 Jahre und kein bisschen handzahm: NetherRealm Studios wagt in „Mortal Kombat 11“ den spielerischen Umbruch. Das macht den aktuellen Ableger zwar zum besten Teil der Serie, bringt aber auch Probleme mit sich.

Derzeit herrscht im Prügelsektor ein Überangebot: „Street Fighter“, „Dead or Alive“, „Tekken“, „Dragon Ball“, „Jump Force“ – Steht ihr auf saftige Keilereien, habt ihr derzeit alle Hände voll zu tun. „Mortal Kombat“ blickt auf eine inzwischen 27-jährige Serientradition zurück, rangierte aber eigentlich nie an der Spitze. Stattdessen war es immer ein kultiger Mitläufer, der vor allem durch seine überzogene Brutalität und die knallharten Fatalities auszeichnet.

Mit dem elften Teil könnte das anders werden: Das am 25. April 2019 veröffentlichte Beat‘em Up trumpft spielerisch mit Mut, Witz und Innovationen auf, patzt aber teils auch mit seiner Benutzerfreundlichkeit.

Ein Fest für „Mortal Kombat“-Fans

Bevor wir uns mit dem Gameplay beschäftigen, widmen wir uns zunächst der Kampagne. Prügelspiele und Story-Modi passen oft nicht zusammen oder verlieren sich in Klischees und Plattitüden. „Mortal Kombat 11“ allerdings ist in Sachen Inszenierung, Geschichte und Gameplay ein Volltreffer. Der Story-Modus erstreckt sich über acht bis zehn Stunden und geizt nicht mit Höhepunkten, sowie einer wirklich gelungenen Aufmachung.

Das Spiel verknüpft dabei geschickt Zwischensequenzen mit Actionpassagen. Sehr schön: Beinahe jede bekannte und vor allem beliebte Figur bekommt ihren Augenblick. NetherRealm Studios nimmt also Anleihen an aktuellen Formaten wie „The Avengers“ oder auch „Game of Thrones“: Man betreibt Fanservice, allerdings nicht auf Kosten des Gameplays, sondern motiviert vielmehr damit und erschafft einen unterhaltsamen und gleichermaßen kurzweiligen Story-Modus. Die Kampagne ist daher ein echter Kaufgrund für „Mortal Kombat 11“.

Das spielt sich anders

Doch auch Gameplay und Technik überzeugen. NetherRealm Studios entschleunigen den Kampfablauf spürbar im Vergleich zum Vorgänger. Sprungangriffe wurden entschärft. Sprints gibt es gar nicht mehr. Treffer haben dadurch mehr Bedeutung. Konter und Blocks werden umso wichtiger. Das richtige Timing entscheidet oft über Sieg oder Niederlage.

Einsteiger müssen sich mit 25 Kämpfern und ihren Movesets anfreunden. Veteranen wiederum arbeiten sich langsam in das überarbeitete Gameplay hinein. „Mortal Kombat 11“ bietet umfangreiche Tutorials – nicht nur für die Basics, sondern auch für einzelne Kämpfer und ihre Eigenheiten. Die Funktionen sind klar verständlich und helfen dabei, die eigenen Kampfkünste zu verbessern. Insgesamt fährt „Mortal Kombat“ 25 Streithähne auf: Jeder von ihnen besitzt individuelle Spezialfertigkeiten und Kombinationen. Die Movesets könnt ihr praktischerweise jederzeit im Pausenmenü aufrufen. Gerade für die Fatalities ist diese Hilfe ausgesprochen nützlich.

Einher mit dem langsameren Gameplay benötigt das Beherrschen der Kombos mehr Zeit zur Eingewöhnung. Dazu baut NetherRealm Studios die Spezial-Attacken um und macht sie so zu taktischen Mitteln. Den „Krushing Blow“ koppelt das Spiel an bestimmte Aktionen wie etwa Blocks oder gut getimte Ausweichmanöver. Dadurch wird beispielsweise ein Uppercut plötzlich zum vernichtenden Knockout-Punch, bei dem in Röntgenaufnahmen ordentlich die Fetzen fliegen.

In Sache Inszenierung und Brutalität stehen diese Aktionen den berüchtigten Fatalities in nichts nach. Den „Fatal Blow“ führt ihr mit Hilfe der Schultertasten aus – allerdings nur ein Mal pro Kampf. Da diese Aktion gut ein Drittel des gegnerischen Energiebalkens pulverisiert, will der „Fatal Blow“ entsprechend sinnvoll eingesetzt werden.

Technisch trumpft „Mortal Kombat 11“ weiterhin mit 2.5D-Gefechten auf. Gerade die Fatalities glänzen mit ihrer Kreativität und den saftigen Effekten. Das Beat‘em Up verströmt die Atmosphäre eines trashigen Actionfilms, allerdings mit zeitgemäßer Technik und sehr viel Liebe für Inszenierung.

Wenn Tradition auf Moderne trifft

Als wären Kampagne, Tutorials und Übungsmatches nicht schon genug, fährt NetherRealm Studios noch mehr Optionen auf. Wer beispielsweise keine Freunde für Couch-Duelle findet, der darf sich im Online-Betrieb austoben. Diesen könnt ihr frei konfigurieren und verschiedene Variablen einstellen. Im Test funktionierten die Online-Matches absolut problemlos. Ruckler oder gar Verbindungsabbrüche gab es nicht.

Für Langzeitspielspaß sollen die Individualisierungsoptionen, die Krypta und natürlich die Türme sorgen. Als Türme bezeichnet man in „Mortal Kombat 11“ eine Reihenfolge von Aufgaben, an deren Ende stets eine Belohnung auf euch wartet. NetherRealm Studios liefert in regelmäßigen Abständen neue Türme mit neuen Voraussetzungen, Szenarien und Einsätzen nach. Im Grunde ist diese Art des Endlosspiels spaßig. In der Praxis gibt es aber starke Probleme mit dem Balancing. Einige Türme sind zu leicht, andere viel zu schwer. Dazu machen bestimmte Aufgaben schlicht keinen Spaß und frustrieren mit nervigen Szenarien und Hindernissen.

Als ähnlich problematisch erweist sich das Freischalten von Extras in der Krypta mit Hilfe von gesammeltem Gold. Letztlich fordert „Mortal Kombat 11“ an dieser Stelle gnadenloses Grinding oder den Einsatz von Echtgeld, ansonsten hängt ihr Ewigkeiten vor dem Bildschirm. Welche Belohnungen ihr erhaltet, ist zudem extrem zufällig. Geht es euch beispielsweise lediglich um die Outfits (und etwa weniger um die Moves) werdet ihr lange Durststrecken abwarten müssen, ehe die gewünschten Outfits aktiv sind. Kurzum: Das System funktioniert derzeit noch nicht und erfordert dringend einige Veränderungen.

Fazit

Genau so muss ein Prügelspiel im Jahr 2019 aussehen. Mit „Mortal Kombat 11“ geht NetherRealm Studios den notwendigen nächsten Schritt. Das veränderte Gameplay steht dem Beat’em Up erstklassig zu Gesicht. Neue Funktionen wie der „Krushing Blow“ oder der „Fatal Blow“ fügen sich nahtlos in das Bombardement an Brutalitäten ein. „Mortal Kombat 11“ fühlt sich erwachsen an. Und dennoch verliert es nicht von der Gnadenlosigkeit, die die Serie schon immer auszeichnete. Gerade der Story-Modus sprüht vor Witz, aber auch vor Fanservice und liebenswerter Ideen.

Wäre doch da dieses ganze unnötige Drumherum nicht: Egal, ob Grinding, Monetarisierung oder auch Balancing-Schwächen im Online-Betrieb – „Mortal Kombat 11“ fängt sich nahezu alle moderne Kinderkrankheiten ein, die es derzeit im Spielesektor gibt. Lohnt sich ein Kauf dennoch? Ja klar, sofern ihr nicht darauf besteht, unbedingt jedes Kostüm zu besitzen und euch in erster Linie an dem Beat’em-Up-Gameplay erfreuen wollt.

(*) Bei Links zu Amazon, Media Markt, Saturn und einigen anderen Händlern handelt es sich in der Regel um Affiliate-Links. Bei einem Einkauf erhalten wir eine kleine Provision, mit der wir die kostenlos nutzbare Seite finanzieren können. Ihr habt dabei keine Nachteile.