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World War Z im Test: So gut wie „Left 4 Dead“?
Langweiliger „Left 4 Dead“-Klon oder munterer Zombie-Metzler: „World War Z“ lässt Horden von Untoten auf Koop-Freunde los.

Valves Zombie-Shooter „Left 4 Dead“ erschien 2008, der Nachfolger bereits 2009. Seit über zehn Jahren warten Fans des Team-Shooters auf einen dritten Teil. Doch bislang gibt es – abseits einiger Gerüchte – keine Anzeichen für „Left 4 Dead 3“. Da kommt das von Saber Interactive entwickelte „World War Z“ gerade recht. Denn obwohl der Shooter auf der bekannten Filmlizenz basiert, so nimmt es in Sachen Gameplay und Gegner-Design starke Anleihen beim großen Vorbild.

Worum geht’s in „World War Z“ eigentlich?

„World War Z“ ist etwas für Multiplayer-Fans. Zwar bietet das Spiel auch einen Offline-Modus, in dem euch Bots zur Seite stehen, jedoch wird dieser aufgrund der fehlenden Interaktion und Gruppendynamik schnell langweilig. Der Fokus liegt eindeutig auf dem Koop-Modus, in dem ihr mit vier Spielern unterwegs seid.

Zum Start bietet das Spiel vier Szenarien (New York, Moskau, Jerusalem, Tokio) mit jeweils zwei bis drei Abschnitten. Die Geschichte ist absolut Nebensache. Zumeist geht es lediglich darum, die eigene Haut oder die eines NPCs zu retten. Ein Story-Game ist „World War Z“ daher leider nicht.

Die Freude an der Koop-Metzelei

Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal ist eindeutig die Darstellung gewaltiger Zombie-Horden. Wie in der Filmvorlage überfluten stellenweise hunderte Untote den Bildschirm. Immer wieder Türmen sich die Modersäcke an Schlüsselpunkte auf und krauchen so beispielsweise Zäune oder Mauern hoch.

Arbeitet das Team in solchen Momenten nicht zusammen, wird es von Untoten binnen kürzester Zeit überrannt. „World War Z“ kreiert so seine ganz eigene Dramatik: Entfachte „Left 4 Dead“ immer wieder Panik, fühlt sich „World War Z“ wie ein Kampf ums nackte Überleben an.

So erschafft „World War Z“ beeindruckende Bilder. In Moskau beispielsweise beobachten wir zunächst, wie die Armee der Toten in der Ferne über eine Autobahnbrücke marschiert, sich von dieser wie ein Strom aus Körpern herunter stürzt und anschließend auf uns und unser Team zu stürmt.

„World War Z“ ist sicherlich in Sachen Level-Architektur oder Umgebungsgrafik nicht das beeindruckendste Spiel auf dem Markt, überzeugt aber gerade bei diesen Massenschlachten durch die pure Darstellung an Gegnern. Die Zombies stolpern bei Beschuss übereinander, schleudern durch die Luft und türmen sich teils zu Haufen von Körpern auf. Sehr schön: Ihr schießt den Zombies sogar Körperteile ab und stoppt sie etwa, indem ihr ihnen kurzerhand die Beine weg ballert.

Abseits kleinerer Grafikfehler kreiert „World War Z“ eine besondere Intensität und Bildästhetik. Und das sorgt im Koop-Betrieb für mächtig Stimmung. Nur mit Teamwork und dem Einsatz von Geschützen oder Mörsern schlagt ihr die Horden zurück – reichlich Geschimpfe und Gekreische im Chat inklusive.

Bei „Left 4 Dead“ geklaut …

In Sachen Gegner-Design klaut „World War Z“ extrem bei „Left 4 Dead“. Denn neben Standard-Zombies wartet das Spiel auch mit einigen Spezial-Gegnern auf. Der Lurker beispielsweise entspricht dem Hunter. Dieses hinterhältige Biest lauert euch in einer finsteren Ecke auf und reißt euch zu Boden. Der Bull erweist sich dagegen als Tank-Ersatz. Er stürmt auf euch zu und donnert euch danach wieder und wieder zu Boden.

Der Gasbag vernebelt unter Beschuss das Gebiet mit grünem Nebel und der Screamer lockt andere Zombies mit seinem Geschrei an. Etwas mehr Kreativität hätten wir uns in diesem Fall tatsächlich gewünscht. Saber Interactive übertreibt es mit der Verehrung von „Left 4 Dead“ und verpasst die Chance, eigene Akzente zu setzen. Aha-Momente gibt es also abseits der gewaltigen Horden nicht.

Gleiches gilt im übrigen auch für das Arsenal: In „World War Z“ tragt ihr bis zu drei Waffen mit euch herum. Für den Nahkampf habt ihr standardmäßig eine Machete im Gepäck. Dazu greift ihr als Primärwaffe auf Sturmgewehre, Schrotflinten und Flinten zurück. Als Zweitkanonen wiederum schnappt ihr euch abgesägte Shotguns oder auch schallgedämpfte Pistolen.

Wer schon mal einen Shooter gespielt hat, kennt die Eigenheiten der überschaubaren Ausrüstung. Die meiste Freude bereiten zweifellos die schweren Waffen. Diese Ungetüme – wie etwa eine Kettensäge oder ein schweres MG – besitzen nur begrenzte Munition und können nicht nachgeladen werden. Sie verleihen euch kurzzeitig das Gefühl, Herr über die Situation zu sein. Mit der Kettensäge etwa mäht ihr euch problemlos durch eine Horde – zumindest bis der Benzintank leer ist. Die schweren Waffen besitzen somit auch eine taktische Komponente.

Auch etwas für längere Zeit?

Bereits „Left 4 Dead“ krankte an seinem allzu geringen Umfang. Saber Interactive bleibt dieser Maxime leider treu. Nach vier bis fünf Stunden habt ihr alles gesehen. Allerdings federt das Spiel diesen offensichtlichen Mangel an Content mit seinen fünf Soldatenklassen und damit verbundenen Charakterstufen sowie fünf Schwierigkeitsgraden ab. Im Verlauf schaltet ihr auf diese Weise neue Fertigkeiten frei, rüstet eure Waffen auf und bereitet euch so bereits im Vorfeld auf den nächsten Kampf vor. Das System motiviert zum erneuten Spielen, ohne dabei aber ein wirklicher Kaufgrund zu sein.

Gleiches gilt für den ebenfalls integrierten PvP-Modus. Dieser besteht aus fünf Modi (Schwarm-Vorherrschaft, King of the Hill, Schwarm-Todeskampf, Scavenge Raid und Impfstoffjagd). Der PvP bietet ein eigenes Charaktersystem mit eigenen Klassen und ist daher eine gelungene Abwechslung. Optionen wie Impfstoffjagd oder auf die Schwarm-Modi bringen allein durch die Einbindung der Zombies in den PvP-Betrieb frischen Wind in bekannte Varianten und sind daher durchaus spielenswert.

Meinung

Wir waren im Vorfeld skeptisch. Das Testmuster zu „World War Z“ kam erst zum Release und auch die Verschiebungen ließen das Schlimmste erahnen. Doch am Ende erweist sich „World War Z“ als gelungener Zombie-Shooter mit ganz offensichtlichen „Left 4 Dead“-Anleihen. Spielerisch bietet der Titel wenig Neues, bereitet dafür bekannte Elemente aber gut auf und besitzt zudem mit seinen Horden ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Abseits des insgesamt launigen Koop-Gameplay krankt „World War Z“ an seinem allzu geringen Umfang – speziell im Koop-Modus. Mehr Szenarien müssen kommen und sind laut Saber Interactive bereits in Planung. Gemessen an dem Kaufpreis von 40 Euro schlägt sich „World War Z“ daher durchaus gut und ist ein empfehlenswertes Spiel für all jene, die „Left 4 Dead“ hinterher trauern.

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